IVF-Erfolgsrate über 40: Wie PID deine Chancen erhöhen kann
Die IVF-Erfolgsrate sinkt ab 40 spürbar – vor allem wegen der Eizellqualität. Erfahre, wie die Präimplantationsdiagnostik (PID) in der Schweiz eingesetzt wird und was deine Chancen sonst noch verbessern kann.

Die IVF-Erfolgsrate sinkt ab 40 spürbar – vor allem wegen der Eizellqualität. Erfahre, wie die Präimplantationsdiagnostik (PID) in der Schweiz eingesetzt wird und was deine Chancen sonst noch verbessern kann.
Du bist über 40 und wünschst dir ein Kind? Dann kennst du vielleicht das Gefühl, dass die Zeit drängt – auch wenn du dich körperlich fit und gesund fühlst. Das ist völlig nachvollziehbar. Denn in der Reproduktionsmedizin zählt nicht nur, wie alt du dich fühlst, sondern vor allem, wie es um die genetische Qualität deiner Eizellen steht. Genau hier setzt die Präimplantationsdiagnostik (PID) an – ein Verfahren, das in der Schweiz seit 2017 unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt ist und gerade Frauen über 40 neue Möglichkeiten eröffnet.
Warum sinkt die IVF-Erfolgsrate ab 40?
Jede Frau kommt mit einer festgelegten Anzahl an Eizellen zur Welt. Diese Eizellreserve nimmt mit den Jahren ab – ungefähr ab 35 beschleunigt sich dieser Rückgang. Entscheidender als die reine Anzahl ist aber die Qualität: Mit zunehmendem Alter steigt der Anteil an Eizellen mit Chromosomenveränderungen (Aneuploidien). Das erhöht sowohl das Risiko für eine Fehlgeburt als auch die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein Embryo gar nicht erst erfolgreich einnistet.
Zahlen aus internationalen Fertilitätsdaten zeigen diesen Verlauf deutlich: Während bei Frauen unter 35 rund 40 % der im Labor entstandenen Embryonen chromosomal unauffällig sind, sinkt dieser Anteil bei 40-Jährigen auf etwa 20 % und bei 42-Jährigen auf rund 15 %. Das erklärt, warum pro Zyklus oft weniger Embryonen übrig bleiben, die überhaupt für eine Übertragung infrage kommen.
Was ist die PID – und wie ist sie in der Schweiz geregelt?
Die Präimplantationsdiagnostik ist eine genetische Untersuchung von Embryonen, die im Rahmen einer IVF im Labor entstanden sind – noch bevor einer davon in die Gebärmutter übertragen wird. Am fünften oder sechsten Entwicklungstag (Blastozystenstadium) werden dafür einige Zellen entnommen und in einem spezialisierten Labor untersucht.
In der Schweiz war die PID lange verboten. Erst mit der Revision des Fortpflanzungsmedizingesetzes (FMedG), die am 1. September 2017 in Kraft trat, wurde sie unter klar definierten Voraussetzungen zugelassen. Seither kann die PID eingesetzt werden, um:
Embryonen mit Anlage für eine bestimmte schwere Erbkrankheit zu erkennen, oder
Embryonen auf Chromosomenveränderungen zu untersuchen, die eine erfolgreiche Schwangerschaft verhindern könnten.
Ob eine PID im Einzelfall durchgeführt werden darf, wird von der behandelnden Klinik individuell geprüft – die gesetzlichen Kriterien sind bewusst eng gefasst. Zusätzlich gilt: Pro Behandlungszyklus dürfen in der Schweiz maximal zwölf Embryonen entwickelt werden, transferiert wird in der Regel nur einer.
Was kostet eine PID – und übernimmt das die Krankenkasse?
Eine wichtige Info, die in vielen Ratgebern fehlt: Die PID gehört wie die ICSI nicht zu den Pflichtleistungen der obligatorischen Krankenversicherung. Rechne pro Zyklus mit zusätzlichen Kosten von rund CHF 2'000 bis 5'000. Es lohnt sich, dies vorab direkt mit deiner Krankenkasse und deiner Kinderwunschklinik zu besprechen.
Was kann deine Chancen sonst noch verbessern?
Neben der PID gibt es weitere Faktoren, die eine Rolle spielen können:
Frühzeitige Abklärung: Werte wie AMH (Anti-Müller-Hormon) und die Zahl der Antralfollikel geben Hinweise auf deine ovarielle Reserve – und helfen, realistische Erwartungen zu entwickeln.
Mehrzyklus-Ansatz: Bei Frauen über 40 sind oft mehrere Zyklen nötig, teils auch mit Sammeln und gemeinsamem Testen von Eizellen über mehrere Zyklen hinweg.
Lebensstilfaktoren: Ein ausgewogenes Körpergewicht, gute Schlafqualität und der Verzicht auf Rauchen können die Eizellqualität unterstützen – auch wenn das Alter der massgeblichste Faktor bleibt.
Eine ehrliche Einordnung ist wichtig
So hilfreich die PID sein kann – sie ist kein Garant für eine Schwangerschaft und ersetzt kein persönliches Beratungsgespräch. Die Entscheidung für oder gegen eine PID sollte immer gemeinsam mit deinem Kinderwunschzentrum getroffen werden, abgestimmt auf deine individuelle Situation.
Du beschäftigst dich mit dem Thema künstliche Befruchtung über 40 und möchtest wissen, welche nächsten Schritte für dich sinnvoll sind? In Zusammenarbeit mit unserer Partnerklinik cada begleiten wir dich unkompliziert und einfühlsam auf deiner Kinderwunsch-Reise – von der ersten Orientierung bis zur medizinischen Behandlung.
Kurz zusammengefasst:
Die IVF-Erfolgsrate sinkt ab 40 vor allem wegen der abnehmenden Eizellqualität, nicht nur wegen der Eizellanzahl.
PID ist in der Schweiz seit 2017 unter engen gesetzlichen Voraussetzungen erlaubt und kein Standardverfahren.
Sie ist keine Pflichtleistung der Krankenkasse – zusätzliche Kosten von CHF 2'000–5'000 pro Zyklus sind einzuplanen.
Eine individuelle, ärztliche Beratung ist unerlässlich, um zu klären, ob eine PID in deinem Fall überhaupt zulässig und sinnvoll ist.
Verwendete Quellen: Bundesamt für Gesundheit (BAG), USZ Klinik für Reproduktions-Endokrinologie, Singer IVF, sowie internationale Fertilitätsdaten.